Freitag, 7. August 2015

Lasst die Männer ran!!!!

Ich habe mich sehr bewusst dafür entschieden schnell nach der Geburt meiner Kinder wieder zu arbeiten. Bäm.

Bis vor Kurzem wäre dieses Statement Grund genug gewesen um mich öffentlich an den Pranger zu stellen. Das hat sich in der Zwischenzeit Gott sei Dank ein Stück weit geändert. Berufstätige und erfolgreiche Frauen werden in großen Porträts in überregionalen Zeitungen nahezu "beworben" und mittlerweile stellt sich an mancher Stelle schon die Frage, ob es überhaupt noch legitim ist "nur" Hausfrau zu sein (wobei ich mir immer denke, dass dieses "nur" wirklich ausschließlich von Leuten ernsthaft genutzt werden kann, die noch nie wochen- und monatelang mit Kindern den Alltag zuhause gestaltet haben!!!). Anne von Topelternblogs hat dazu aufgerufen, darüber zu schreiben.



Ich könnte mich nun sehr wortreich darüber auslassen, warum ich mich dazu entschieden habe, schnell wieder zu arbeiten und warum das gut oder schlecht ist. Aber meine Berufstätigkeit hat eigentlich eine viel wichtigere Facette, als meine persönliche Entscheidung oder meine Einstellung über die Rolle der Frau: was ich vor allem in den letzten Monaten, in denen mein Mann in Elternzeit war, gemerkt habe, ist die wunderbare Entwicklung, die meine Kinder gemeinsam mit ihrem Papa gemacht haben.

Dad and Kids: ein Herz und eine Seele!

Mein Mann und ich sind verhältnismäßig früh Eltern geworden. Wir haben das sehr bewusst entschieden und diese Entscheidung NIEMALS bereut. Schon während der Kinderwunsch-Phase war mir jedoch klar, dass ich unheimlich gerne arbeite und dass ich für das, was ich tue, brenne. Das ist bei meinem Mann, der Lehrer ist, nicht weniger so. Allerdings führte das nun nicht automatisch dazu, dass für uns beide klar war, dass er arbeiten geht und ich wenn überhaupt einen Teilzeit-Job haben werden. Wir haben immer gesagt, jeder hat seine Zeit und ist "mal dran".



Ein halbes Jahr nach Minis Geburt habe ich eine Stelle angeboten bekommen. Mein Mann hat nicht eine Sekunde gezögert: "Du nimmst dieses Angebot an!" Er hat daraufhin Elternzeit eingereicht und ist nun seit vier Monaten mit den Kindern zuhause.

Ein Gewinn für alle

Ich möchte an dieser Stelle eine Lanze für die Männer brechen: lasst sie machen! Gebt ihnen die Möglichkeit sich als Väter zu erleben! Die machen es vielleicht anders - aber sie machen es gut!

Mein Mann ist ein Chaot. Ein ABSOLUTER Chaot! Er treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn - wem erzähle ich das, ihr alle kennt es wahrscheinlich nur zu gut. Socken auf links, Teller auf der Küchenarbeitsplatte, Dinge, die genutzt wurden, bleiben genau da, wo sie sind (und NICHT hingehören) und, und, und...

Wenn ich aus dem Büro nach Hause komme, könnte ich manchmal an mindestens 10 Ecken Dinge finden, die nicht aufgeräumt wurden, es ist vielleicht (noch) nicht gesaugt worden und die Wäsche macht dem Mount Everest Konkurrenz.

Aber die Kinder sind G L Ü C K L I C H!

Die drei haben gemeinsam ein Vogelhaus und eine Wasserrutsche gebaut, Pfannkuchen gebacken, sich gegenseitig mit Sonnencreme eingerieben, Käfer im Garten untersucht und riesige Kreide-Bilder auf der Straße gemalt. Sie haben einen kilometerlangen Stau im Wohnzimmer aufgebaut, Erde auf ihre Schmackhaftigkeit überprüft und dann gleich mal getestet, wie viel von dieser Erde in das Planschbecken passt.

Wie wäre der Tag mit mir gelaufen? Ich hätte vielleicht zwei der Tagespunkte, die ich oben genannt habe, eingebaut. Vorher hätte ich aber noch die Küche aufgeräumt, die Wäsche gewaschen und später dann aufgehängt und gesaugt. Ich hätte auch ganz sicherlich nicht Unmengen von Erde im Planschbecken erlaubt und Käfer finde ich eher eklig als spannend.

Für die Kinder waren die letzten vier Monate ein absoluter Gewinn. Die Beziehung zu ihrem Vater ist absolut gewachsen. Mein Großer hatte schon immer ein inniges Verhältnis zu seinem Vater, aber wenn er sich weh getan hat oder irgendetwas Schlimmes passiert ist, dann musste er zu Mama kommen. Das hat sich eindeutig geändert. Jetzt sind wir gleichermaßen als Eltern Anlaufstelle fürs Trösten. Wenn er etwas entdeckt, etwas vorgelesen bekommen möchte, backen oder kochen will - dann sind beide Eltern für ihn Ansprechpartner.
Der Mini hat ebenfalls seinen Papa ganz neu entdeckt. Durch das Stillen war es in den ersten Monaten so, dass häufig nur ich ihn beruhigen konnte. Ich denke, das kennt fast jede Mutter. Aber jetzt: jetzt freut er sich wahnsinnig, wenn der Papa den Raum betritt, ist unheimlich auf ihn gepolt und gleichzeitig sehr viel offener geworden.

Und ich? Ich konnte absolut ruhigen Gewissens den Wiedereinstieg wagen und mich voll und ganz auf den neuen Job einlassen. Ich habe nicht eine Sekunde gezweifelt, dass meine Kinder in den besten Händen sind und war somit mit dem Kopf meist vollständig im Büro statt eigentlich noch bei den Kindern.

Lasst die Männer machen!

Mein Plädoyer an dieser Stelle ist daher: Lasst die Männer ran! Und dieser Aufruf hat zwei Aspekte:

1. Lasst die Männer üben!

Woher soll die Routine und die Selbstverständlichkeit im Umgang mit den Kleinsten kommen, wenn man als Mutter ständig dazwischen funkt und es selber macht? Dann KANN ein Vater gar nicht können. Wenn dann nach einem Jahr Vollzeitmutter ggf. der Moment kommt, an dem man mal wieder zum Sport oder mit den Mädels ins Kino möchte: wie soll es dann auf einmal funktionieren, dass der Papa alles im Griff hat? Das geht einfach nicht...

2. Lasst sie ihre Rolle finden!

Ich höre immer Worte wie "eine Mama kann man nun einmal nicht ersetzen" oder "ein Kind braucht nun einmal seine Mutter". Das stimmt, da bin ich voll dabei. Nur muss man es auch einmal so sehen: einen Papa kann man auch nicht ersetzen und ein Kind braucht nun einmal auch seinen Vater! Was sollte denn auch die Aussage solcher Sätze sein? Dass Väter es nicht genauso gut können wie Mütter? Dass Väter von Natur aus nicht gleichermaßen in der Lage sind, die Kinder zu versorgen und aufzufangen? Ja, jeder Vater ist anders und bestimmt kann es auch nicht jeder Vater gleichermaßen. Aber grundsätzlich schon zu attestieren, dass die Väter nicht in der Lage sind die Kinder genauso liebevoll zu umsorgen und sich um sie zu kümmern, halte ich für überheblich. Was gibt man ihnen denn damit auch für ein Gefühl?
Und hier unterstreiche ich noch einmal: Väter machen sicherlich vieles ganz anders - aber nicht schlechter. Manchmal sogar besser...

Kommentare:

  1. Guten Morgen Pottglück,

    vielen Dank für Deinen schönen Artikel. Ich bin im Grunde meines Herzens ein Rebell gegen Tradition und Erfahrungsberichte wie Deiner fallen bei mir durch offene Türen ;-)

    Ich komme selber aus einer Familie in der die Mutter Vollzeit arbeiten ging und der Vater zu Hause war. Allerdings haben meine Eltern die Rollen getauscht als ich vierzehn oder fünfzehn war. Hat sich einfach so ergeben. Die Firma, in der mein Vater angestellt war, ist den Bach runter gegangen finanziell und meine Mutter hat zeitgleich eine gut bezahlte Vollzeitstelle angeboten bekommen. Und ich fand das als Teenager toll nach der Schule nach Hause zu kommen, mit meinem Vater zu Mittag zu essen, abzuwaschen und über den Schultag zu reden. Ich kann jetzt, zwanzig Jahre später, immer noch nicht feststellen, daß mir das geschadet hat wie das von so einigen Dummköpfen prophezeit wurde ;-)

    Liebe Grüße,
    Mirtana

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    1. Liebe Mirtana,
      ich kann mir auch kaum vorstellen, dass es dir geschadet hat. Ich glaube eher im Gegenteil, dass es für die Entwicklung des eigenen Weltbildes nur förderlich sein kann, wenn man keine starren Rollenbilder vorelebt bekommt. Und ist es nicht auch eigentlich paradox, dass Frauen es nicht für selbstverständlich halten, berufliche Chancen wahrzunehmen, wenn sie die Möglichkeit dazu haben?
      Toll, dass deine Mutter es so gemacht hat! Vor zwanzig Jahren gehörte sicherlich noch eine ganze Menge mehr Selbstbewusstsein dazu, als heute. Das gilt natürlich auch für deinen Vater!!!

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