Dienstag, 28. Juli 2015

Kinderzimmereinrichtung: Tipps von den Profis

Der Fortschritt auf unserer Baustelle ist nun mittlerweile täglich zu beobachten. Heute wurden bereits die ersten Zimmer gestrichen und wir hoffen ganz inständig, dass wir zum Beginn des Septembers einziehen können. 

Nicht erst seit heute mache ich mir Gedanken über die richtige Kinderzimmereinrichtung. Die Kinder werden - zumindest vorläufig - ein gemeinsames Schlafzimmer und ein Spielzimmer bekommen. Wie lange sie das so beibehalten wollen, wird sich zeigen, aber der Große hatte es sich sehr gewünscht und soweit ich die Signale vom Mini deuten kann, denke ich, dass auch er es richtig toll findet, mit seinem großen Bruder gemeinsam zu schlafen und zu spielen.
Daher habe ich mir seit Wochen schon überlegt, wie ich die Kinderzimmer gestalten könnte. Und bevor ich mich nun final ans Werk begebe, habe ich Katharina Holzer von der Kinderzimmerei gefragt, was ich idealerweise beachten sollte. 
Quelle: Kinderzimmerei - Holzer & Friedrich GbR
Die Kinderzimmerei ist ein Innenarchitekturbüro, dass sich auf die Einrichtung von Kinderräumen spezialisiert hat, sowohl auf private Kinderzimmer als auch auf Kindergärten. Wo, wenn nicht hier, könnte ich kompetente Antworten erhalten :-) 

Aber lest selbst, Katharina hat mir sehr sympathisch und versiert Rede und Antwort gestanden: 



Was sollte man bei der Planung der Kinderzimmereinrichtung unbedingt beachten? 

Ein schöner Leitsatz wäre hier "Räumchen wechsel dich!" ... das Kinderzimmer wandelt sich so schnell wie kein anderer Raum in der Wohnung. Und damit wandeln sich natürlich auch die Anforderungen. Wenn man also nicht alle zwei Jahre wieder von vorn beginnen möchte, macht es Sinn, sich bei der Planung schon mal Gedanken zu machen, was denn in 2, in 4, in 6 Jahren im Kinderzimmer passiert. Das Kind fängt an zu krabbeln, braucht ein größeres Bett, kommt in die Schule, möchte ein Jugendzimmer ... ein klug geplantes Zimmer wächst mit, dann kann man ohne komplette Neueinrichtung viele Elemente sinnvoll weiterverwenden. Und nicht nur die Funktionen, sondern auch die Vorlieben wandeln sich. Ein rosafarbener Schrank ist zwar in der Prinzessinenphase toll, die kleine Piratin findet ihn aber schon wieder grässlich. Daher unsere Empfehlung: Aktuelle Vorlieben der Kinder lieber in den Accessoires, Textilien oder auch Wandfarben umsetzen als in Möbeln. Lieber ein solides, schlichtes Möbel kaufen, das auch dem Teenie noch gefällt und daher auch durchaus etwas teurer sein kann. Hinzu kommt, dass das Kind sich in einem "offen" gestalteten Zimmer kreativ viel mehr ausleben kann. In einem Rennautobett kann man nur Rennauto spielen, wie langweilig! 

Welche Funktionen muss ein Kinderzimmer aus Eurer Sicht bedienen? 

Im Kinderzimmer sind fast alle Funktionen einer Wohnung auf kleinstem Raum enthalten - es ist Schlafzimmer, Wohnzimmer, Abstellraum, Arbeitszimmer in einem. Daher muss jeder Bereich auch zu finden sein, und sei er noch so klein. Sind alle Funktionen gut untergebracht, fällt das Aufräumen, Einschlafen und Hausaufgabenmachen leichter und das Kind fühlt sich im Zimmer wohl. 
Unterschiedliche Bereiche lassen sich gut farblich, aber auch durch Möblierung definieren. Gerade in kleinen Zimmer lohnt es sich, nicht nur die Fläche, sondern auch die Höhe zu nutzen. Unter einem Hochbett ist prima Platz für eine Kuschelecke, eine Stauraumbank ist Sitzplatz und Lego-Aufbewahrung in einem, ein raumhoher Schrank nimmt selten gebrauchte Spielsachen und Winterkleidung auf und ein Bord über der Tür kann mit schönen Kisten bestückt werden. Aber man sollte natürlich immer aufpassen, dass man das Zimmer nicht zu überfrachtet. Gerade Dinge oberhalb der Augenhöhe wirken voluminöser als darunterliegende. Daher prüfen - welche Ecke ist die unauffälligste? Wo kann ich mit einem Spiegel einem Element das Volumen nehmen?   

Quelle: Kinderzimmerei - Holzer & Friedrich GbR


Welche Trends erkennt Ihr derzeit für die Einrichtung von Kinderzimmern (Farbe, Möbel, Muster)?

Gerade geht es in eine sehr schöne, wieder schlichtere Richtung. Firmen wie Flexa oder Bloomingville entwerfen nordisches und schlichtes Kids Design mit weißen und hellen Möbeln, kombiniert mit sanften Farben in hellgrau, türkis oder apricot. Auch geometrische Muster und Schwarz-Weiß finden als Kontraste zunehmend ihren Weg ins Kinderzimmer - das ist sogar schon bei IKEA angekommen. Es gibt inzwischen famose mitwachsende Bettchen, die sich vom Gitterbett zum Kinderbett wandeln, ohne schrecklich funktional zu wirken. Das Bettchen "Caravan" von Kalon ist so eines und Perludi bietet z.B. eine ganz tolle Sache: Man kauft das Bett "Otto in the moon" mit einem Gitteraufsatz und kann nach Gitterbettchenzeit diesen einfach an Perludi zurückgeben und kriegt ein bisschen Geld zurück. Perludi möbelt den Aufsatz wieder auf und das nächste Kind kann darin schlummern. Das ist Nachhaltigkeit! :)
Leider gibt es auch nach wie vor die gruseligen Erstlingszimmer von der Stange mit den anonymen Bettchen, Wickelkommode und Schrank in einem Look. Die Zimmer wirken steril und wie aus dem Möbelkatalog. Außerdem sind die Schränke immer viel zu klein und niedrig und müssen meist sehr früh ausgetauscht werden. Lieber sucht man sich seine Lieblingsmöbel zusammen und kombiniert, das wirkt individueller und gemütlicher.  


Gibt es absolute Dos and Don´ts?

Die Do's habe ich oben ja schon weitgehend beschrieben, wichtig ist es natürlich auch, auf die Sicherheit zu achten, gerade bei Kleinkindern. Wir haben auf unserem Blog eine ganze Reihe Infos zusammengestellt, auf die man achten sollte: http://www.kinderzimmerei.de/2014/08/07/kindersicherheit-im-haus/
Was ein ganz wichtiges Don't fürs Kinderzimmer ist, was wir möglichst oft an alle Eltern weitergeben wollen: Richtet kein FERTIGES Zimmer ein! Lasst Freiraum zur Entwicklung, lasst euer Kind seinen eigenen Raum mitgestalten. Es fördert Kreativität, Identifikation und räumliches Verständnis, wenn Kinder auch mal was rumschieben oder verändern dürfen. Ein Themenzimmer, das ganz starr auf eine Spielwelt ausgerichtet ist, blockiert das Kind und schadet eher - daher: Offene Nutzung, variable Möglichkeiten und zurückhaltendes Design. 


Wie lässt sich ein Kinderzimmer gestalten, dass von zwei Kindern in unterschiedlichem Alter genutzt wird?

Hier muss man vor allem dafür sorgen, dass die Kinder sich nicht gegenseitig stören, wenn sie zu unterschiedlichen Zeiten ins Bett gehen. Dafür sollte eine schwache Lichtquelle verfügbar sein, z.B. ein Nachtlicht. Auch sollten die Betten nicht direkt nebeneinander stehen. Gestalterisch kommen die mitwachsenden Betten hierfür auch gut infrage.
Jedes Kind sollte wissen, wo seine Kuscheltiere sind und es sich zurückziehen können. Der Raum kann auch z.B. durch Wandfarben oder grafische Gestaltung deutlich machen, wo jeweils ein Bereich liegt, z.B. als farbige Koje ausgeführt. Dabei muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Farben harmonieren, um den Raum nicht optisch zu zerreißen und so viel kleiner wirken zu lassen. Schön ist auch ein einheitlich möblierter Raum, der im Detail Unterschiede aufweist, um jedem Kind seinen Bereich zu signalisieren. Das kann auch durch verschiedenfarbige Nachtleuchten, Kissen, Bettwäsche oder auch Möbelknöpfe passieren.
Von einer Aufteilung des Raumes durch große Elemente würden wir auch in diesem Fall absehen, das nimmt im Normalfall einfach zuviel Licht und Raum, vor allem wenn das Zimmer nur ein Fenster hat. Schöner ist, falls möglich, ein gemeinsamer großer runder Teppich zum Spielen, aber vielleicht zwei kleine Nischen/Höhlen zum Zurückziehen.
Generell sollte man in so einem Fall die ganze Wohnung in die Planung mit einbeziehen: Kann evtl. der Kleiderschrank oder die Wickelkommode (z.B. ins Bad?) ausgelagert werden, um mehr Raum für die Kinder zu bekommen? Möglich ist es auch, ein gemeinsames Schlafzimmer einzurichten, das Spielen aber auch teilweise auszulagern, um in Streitsituationen ausweichen zu können. Ein kleiner Spiel-/Maltisch im Wohnzimmer kann schon viel helfen.…


Liebe Katharina, vielen herzlichen Dank für deine tollen Antworten. Ich werde versuchen einiges umzusetzen! 

Wenn ihr noch mehr Inspirationen haben möchtet, dann schaut mal beim Shop der Kinderzimmerei vorbei. Ganz, ganz tolle Möbel und Accessoires für die Kinder- und auch Elternzimmer- ich liebäugele auch schon mit dem ein oder anderen Stück ;-)

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