Freitag, 29. Mai 2015

Fionn und Pieple oder: der Vogel wohnt hier ganz in der Nähe


Wenn man nach der Elternzeit wieder arbeiten geht, dann hat das ganz viele, ganz unterschiedliche Effekte. Über den Mehrwert einer beruflichen Karriere auch und vor allem (!) für Mütter, kann ich mich jedoch vollkommen in Rage reden, weshalb ich das an dieser Stelle (lieber mal in einem anderen Post...) gar nicht weiter ausführen möchte...

Aber eine Sache fiel mir gestern, als ich am späten Nachmittag aus dem Büro kam, auf: mein Kind erlebt unheimlich viele tolle Sachen ohne mich (was alleine schon mal eine wunderbare Gewissheit ist) und er ist mittlerweile schon richtig, richtig gut darin, mir seine Erlebnisse ganz farbenfroh und mitreißend zu erzählen. 

 
Wenn man mit einem dreijährigen fast vierjährigen Kind zusammen wohnt, ist das mit der Kommunikation manchmal nämlich so eine Sache. Die reine Informationsweitergabe, insbesondere jene, die auf die zu erledigenden Aufgaben als Mutter abzielen (man denke nur an ganz wunderbare Sätze wie zum Beispiel: "Mama, kannst du bitte einen Lappen mitbringen? Die Sauce ist aus Versehen vom Teller gekullert..."), funktioniert mittlerweile meist fehlerfrei. Anders gestaltet sich das mit dem Verständnis, wenn der Sohn das von ihm Erlebte widergibt. Besonders dann, wenn ich - weil ich tatsächlich nicht weiß, was passiert ist - die Sätze meines Großen nicht beenden und ihm mit den fehlenden Worte wie eine Souffleuse unter die Arme greifen kann, ist es manchmal recht schwierig den Sinnzusammenhang herzustellen...

Folgendes Fallbeispiel: 
Ich komme am Nachmittag aus dem Büro. Dafür hat sich das Ritual etabliert, dass ich an der Tür klingele (ob ich einen Schlüssel dabei habe oder nicht) und er mir öffnet. Es folgt (eigentlich) eine kurze Begrüßung, bei der ich mich gefühlt 100x so sehr über das Wiedersehen freue, wie er, und dann werde ich sogleich in das gerade stattfindende Spiel integriert. 

Nicht so am Freitagnachmittag. 
Ich komme, klingele, warte auf die Öffnung der Tür und meine wohl verdiente Begrüßung. Die Tür geht auf, ich öffne meine Arme... doch bevor ich dazu komme auch nur "hallo mein Schatz" zu sagen, brabbelt das kleine Kraftwerk los: 

"Mama, weißt du, ich hab gar keine Zeit, ich muss los, Pieple suchen, der ist nämlich weggehopst, aber wenn die Mama nicht kommt, dann kann ich ihn wieder in die Dose setzen, weil vielleicht hat der auch ein Problem, weißt du?!"

Nee. Ist klar. 

"Bitte? Was ist los? Wo musst du hin?"
"Zu Piiiiepleeeeee..." (Stellt euch an dieser Stelle vor, dass eine kleine Kinderstimme davoneilt und immer leiser wird...)

Ich bin also hinterher in den Garten und traf auf den Mann und den Mini. Der Mann zeigte ein seeliges Lächeln, gerührt von Fionns Anblick. Der wiederum hockte derweil bereits vor dem Gebüsch, umgeben von Unmengen von Körnern und Leinsamen. 

"Piiiiipele, schau mal hiiiiier. Ich hab dir was mitgebracht."

Folgendes hatte sich zugetragen: Der Große hatte einen aus dem Nest gefallenen Vogel gefunden. Der heißt Piepele.  Piepele hat "rosa Beinchen und Füßchen" und "wohnt hier ganz in der Nähe". Nachdem er ihn gefunden hat, wollte er ihn "bitte behalten, damit er nicht so alleine ist". Der Vater hatte (wohl wissend, dass sein Sohn nicht lockerlassen würde) eingewilligt, dem Vogel in eine Schachtel zu helfen und ihn ggf. zu pflegen, wenn er denn aus dem Nest gefallen ist und die Mama nicht kommt um ihn zurückzuholen. "Aber Papa", ein "Snäckerchen" braucht der Vogel natürlich auch, daher die Körner- und Samenflut, weil - wie mir später berichtet wurde - "Pieple isst nur Körner und Würmer, aber Würmer hatten wir nicht". Verwunderlich.

Ich hätte ihn auffressen können, so süß fand ich ihn. 

Sehr zum Unmut meines Sohnes flatterte der Vogel leider aus der Pappschachtel und hüpfte ins Gebüsch. Er ward sodann nicht mehr gesehen und wir gehen davon aus, dass er "seine Mama gefunden hat oder er im Gebüsch schlafen möchte". So nämlich. 


Abends hat er mir das ganze dann noch einmal erzählt. 

"Mama, morgen können wir nochmal zu Pieple gehen. Und dann frag ich ihn, ob er mit reinkommen mag. Er ist ja noch klein, weißt du?"

"Aber Fionn, ein Vogel muss doch fliegen, der braucht ganz viel Platz und Freiheit."

"Aber er kann doch in meinem Zimmer wohnen? Ich kümmer mich auch immer um ihn!"

"Schatz, auch wenn du dich ganz lieb kümmerst, für einen Vogel ist es in einem Haus zu eng." 

"Hmm. Und der kackt auch. Dann besuch ich ihn lieber draußen." 

Gut, das letzte war nun wirklich ein Totschlagargument... :-D Fast Vierjährige verfügen über eine absolut stichhaltige Logik.

Man muss Kinder einfach lieben!

Kommentare:

  1. Oooooh, das ist so zuckersüß wie euer Kleiner so erzählt *-* Da hast du eindeutig Recht, da kann man Kinder echt einfach nur lieb haben :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Vielen lieben Dank für den netten Kommentar ☺️ Das sind echt die Zuckermomente im Mama-Leben 👍

      Löschen